I Generelle Fragen und solche zur Allgemeinanästheisie
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1. Warum darf ich vor der Operation nichts essen und trinken?
Durch die Narkose ( Allgemeinanästhesie) werden neben dem Bewusstsein und der Schmerzempfindung auch die Schutzreflexe (z.B. Schluck- und Hustenreflex) ausgeschaltet. Es besteht daher die Gefahr, daß während der Narkoseeinleitung Mageninhalt durch die erschlaffte Magenöffnung aufsteigt, in den Rachen gelangt und von dort in die Lunge. Dadurch würde eine schwere, ggf lebensbedrohliche Lungenentzündung ( Mendelson-Syndrom) hervorgerufen. Je größer der Mageninhalt und je kürzer die Zeitspanne nach der letzten Mahlzeit desto gefährlicher die Situation.
Vor jeder Narkose dürfen Sie daher im Interesse Ihrer eigenen Sicherheit mindestens sechs Stunden keine feste Nahrung zu sich nehmen und mindestens vier Stunden nichts mehr trinken. Ausgenommen ist ein kleiner Schluck Wasser um evtl. vor der Narkose Medika-mente, incl. einer Beruhigungstablette zu sich zu nehmen.
2. Wie schnell wirkt die (Voll-)Narkose?
Die modernen Medikamente ermöglichen ein rasches und sanftes Hinübergleiten in den schlafähnlichen Zustand der Allgemeinanästhesie. Bereits während der intravenösen Applikation der Medikamente beginnen Sie einzuschlafen. Nach weniger als einer Minute befinden Sie sich vollkommen im Schlaf.
3. Wache ich während der Operation wirklich nicht auf?
Mit Hilfe der heute verfügbaren Medikamente kann die Narkosetiefe sehr genau und rasch reguliert werden. Nachdem Sie eingeschlafen sind, überprüft Ihr Anästhesist neben den lebenswichtigen Organfunktionen ständig auch die Narkosetiefe. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen, daß Sie während der Operation wach werden. Neben der vollkommenen Schmerzfreiheit achten wir darauf bis zum Operationsende eine ausreichende Narkosetiefe beizubehalten. Da die modernen Anästhesiemedikamente sehr gut steuerbar sind ('schnell drin, schnell draußen’) ist dies kein Problem und bedeutet keine unnötige Verlängerung der Anästhesie.
4. Wie stark werden meine Schmerzen nachher sein?
Schmerzen nach einer Operation sind nicht vollständig zu vermeiden, sie können aber heute auf ein erträgliches Maß begrenzt werden. Der Bedarf an Schmerzmitteln hängt vor allem von der durchgeführten Operation ab. Um Ihnen die Zeit nach der Operation so angenehm und schmerzfrei wie möglich zu machen, wird bereits während des Eingriffs die Dosierung der Schmerzmittel auf den erwarteten Bedarf abgestimmt. Nach Ende der Operation kann die Behandlung jederzeit nach Ihrem individuellen Bedarf verändert werden. Dies ist besonders gut möglich, da Sie die unmittelbare Phase nach einer Operation unter unserer Betreuung im anästhesiologischen Aufwachraum verbringen. Dort kümmern sich geschulte Mitarbeiter der anästhesiologischen Klinik um Sie. Ihr Anästhesist wird Sie hierüber gerne genauer informieren.
5. Kann es passieren, dass ich nicht mehr aufwache?
Nichts im Leben ist ohne Risiko. Dies gilt grundsätzlich auch für jeden operativen Eingriff. Allerdings sind die Risiken für geplante operative Eingriffe an Patienten ohne schwerwiegende Begleiterkrankungen äußerst gering. Die Teilnahme am Straßenverkehr ist meist gefährlicher. Ein reines Narkoserisiko gibt es praktisch nicht! Die Narkosen sind in den Industrieländern heute so sicher wie nie zuvor. Diese erfreuliche Tatsache ist der Entwicklung neuer Medikamente vor allem aber einer verbesserten Überwachung und hervorragend ausgebildeten Anästhesisten zu verdanken.
Die meisten bedrohlichen Zwischenfälle in der Anästhesie resultieren aus menschlichem Versagen. Daher werden an unserer Klinik keine sog. 'Parallelnarkosen’ durchgeführt, bei denen ein Anästhesist zwei Operationstische versorgt. Das garantieren wir Ihnen. Jeder OP-Saal hat einen eigenen Anästhesisten. Zudem stehen für Problemfälle und kritische Situationen Tag und Nacht zusätzliche Fachärzte (Oberärzte, Chefarzt) 'Gewehr bei Fuß’.
Natürlich können auch heute in sehr seltenen Fällen unvorhergesehene lebensbedrohliche Komplikationen während einer Operation auftreten. Betroffen sind vor allem Patienten mit schweren Begleiterkrankungen und/oder sehr ausgedehnten Eingriffen und Not-Operationen. Das Risiko einer Komplikation wird vor allem vom Allgemeinzustand des Patienten und der Art des durchgeführten Eingriffs bestimmt, und sehr viel weniger von der Narkose selbst. Kommt es zu einer bedrohlichen Komplikation, so sind in unserer Klinik alle personellen und technischen Möglichkeiten zu jeder Zeit vorhanden, um die Situation zu meistern.
6. Ist mir nach der Operation übel? Besteht die Gefahr, dass mir nach einer Narkose übel wird oder dass ich erbreche?
Postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV = postoperative Nausea and Vomiting) zählt zu den sog. Little-big-problems und bereitet laut Umfragen den Patienten die größte Sorge. Erst an zweiter Stelle folgt die Angst vor postoperativen Schmerzen.
Übelkeit und Erbrechen waren früher nahezu unvermeidliche Folgen jeder Narkose. Schuld daran waren vor allem die verwendeten Narkosemittel, allen voran Äther, aber auch Lachgas und gelegentlich eine relative Unterversorgung mit Sauerstoff.
Die heute gebräuchlichen modernen Medikamente lösen diese unangenehmen Nebenwirkungen wesentlich seltener aus. Dennoch gibt es leider keine hundertprozentige Gewähr für eine Aufwachphase ohne Übelkeit. Häufigkeit und Ausprägung hängen von der persönlichen Veranlagung, dem Geschlecht (Frauen sind mehr betroffen als Männer) und der durchgeführten Operation ab. Bei bekannter Veranlagung wenden wir besondere vorbeugende Maßnahmen an.
7. Wann kann ich wieder essen und trinken?
Eine sehr frühzeitige Zufuhr von Flüssigkeit und vor allem von fester Nahrung nach einer Narkose führt häufig zu Übelkeit und Erbrechen. Die sinnvolle Karenzzeit zwischen Narkoseende und Trinken liegt bei etwa drei Stunden, und für festes Essen bei sechs Stunden.
Nach Operationen an den Bauchorganen, insbesondere am Darm, können sich diese Zeitintervalle verlängern.
8. Wann bin ich wieder richtig wach?
Normalerweise sind Sie schon wenige Minuten nach Ende der Operation wach. Das heißt für den Anästhesisten, Sie können selbst wieder ausreichend atmen, Ihre Schutzreflexe sind zurückgekehrt, und wir können uns mit Ihnen verständigen. Länger dauert es, bis Sie Ihrer Umgebung wieder vollkommen wache Aufmerksamkeit entgegenbringen und sich für Aktivitäten wie Lesen, Fernsehen u. ä. interessieren. Bis dahin vergehen in Abhängigkeit von Art und Dauer der Operation mindestens eine, nicht selten aber mehrere Stunden. Diese Zeitspanne ist auch von der Art und Dosis der Schmerzmittel abhängig, die Sie nach der Operation benötigen. Die unmittelbare Zeit nach einer Allgemeinanästhesie (ca. eine bis zwei Stunden) verbringen Sie im anästhesiologischen Aufwachraum.
Bei sehr umfangreichem operativem Eingriff mit anschließender Intensivbehandlung kann es sein, daß Sie tief schlafend und noch beatmet auf die Intensivstation gebracht und dort innerhalb der nächsten Stunden sanft ausgeleitet werden.
9. Soll ich vor Operationen meine Medikamente einnehmen?
Ausdrücklich Ja! Alle wichtigen Medikamente (Herz-, Kreislaufmittel, Asthma- oder Epilepsiemedikamente) werden ganz normal mit einem Schluck Wasser eingenommen. Verzichtbar sind Vitaminpräparate oder homöopathische Mittel und ähnliches.
Nicht genommen werden Antidiabetika incl. Insulin, da Sie morgens nüchtern bleiben!
Dieses Thema wird während der Prämedikation ausführlich mit Ihnen erörtert. Die Stationen erhalten von der Anästhesie entsprechende Hinweise.
10. Kann ich Schmuck, Zahnprothesen anbehalten und wie sieht es mit Make-up am OP-Tag aus?
Schmuck, Uhren, Brillen, Hörgeräte usw. werden aus hygienischen, aber auch aus Gründen der Sicherheit schon im Zimmer abgenommen und im Safe verschlossen. Herausnehmbare Zahnprothesen müssen ebenfalls zurückgelassen werden. Make-up und Nagellack bitten wir ausdrücklich nicht aufzulegen, da die Überwachung dadurch erschwert werden kann. Bitte fragen Sie Ihren Anästhesisten dazu.
11. Wann kann ich nach einem ambulanten Eingriff wieder nach Hause?
Nach ambulanten Operationen in Vollnarkose müssen Sie in der Regel ca. drei bis vier Stunden bei uns im Aufwachraum und/oder auf der Station verweilen, bevor wir Sie nach Hause entlassen können.
12. Ist nach einer Narkose etwas zu berücksichtigen?
Ja, Sie sollten den restlichen Tag ruhig angehen und für 24 Stunden kein Fahrzeug führen, keine Unterschriften leisten und keine Maschinen bedienen.
13. Werde ich nach der Narkosen frieren?
Frieren (Shivern) nach dem Aufwachen aus einer Allgemeinanästhesie gehört zu den sog. Little-big-problems. Dabei handelt es sich um Beschwerden, die nur eine geringe medizinische (little), aber eine große persönliche (big) Bedeutung für den Patienten haben. Es gibt viele mögliche Ursachen für Shivern nach einer Allgemeinanästhesie.  Der Körper kühlt im klimatisierten Operationssaal etwas aus, bestimmte Anästhesiemedikamente können zu Shivern führen ebenso wie bestimmte Operationstechniken. Wir können jedoch mit Hilfe spezieller Decken (siehe Bild), die wir intraoperativ großflächig aufbringen, den Wärmeverlust im Operationssaal weitgehend verhindern. Die Wärmetherapie wird bei Bedarf auch im Aufwachraum fortgesetzt. Schließlich kann das unangenehme Shivern auch durch Medikamente unterdrücket werden.
14. Hat man nach einer Vollnarkose Albträume?
Eher das Gegenteil ist der Fall. Narkosen haben nämlich sehr häufig einen kompletten Gedächtnisverlust zur Folge, natürlich nur die Narkose und das damit verbundene ‚Drumherum’ betreffend. Dieses Phänomen nennen die Fachleute ‚Retrograde Amnesie’.
Gelegentlich berichten Patienten von Träumen während der Narkose. Bisher hat jedoch noch keine Einziger unter einem Albtraum gelitten. Interessanterweise träumen die meisten dieser Patienten vom Urlaub.
15. Kann ich mich durch eine Bluttransfusion infizieren?
Fremdblut ist in den Industrienationen durch vielfältige Tests der Spender und der gewonnenen Konserven außerordentlich sicher geworden. Die Chance etwa das HIV (AIDS) zu übertragen liegt bei eins zu einer Million. Ähnliches gilt für andere Risiken wie die Übertragung von Hepatitis, Cytomegalie oder BSE. Unabhängig davon nutzen wir alle Möglichkeiten die Übertragung von Fremdblut zu vermeiden. Säulen dieser Bemühungen sind der kritische Umgang mit Blut generell und die konsequente Anwendung blutsparender Verfahren also die Anwendung Ihres eigenen Blutes (autologe Transfusion, Eigenblutspende).
- Sparsamer Umgang. Es wird heute sehr viel weniger transfundiert als früher. Das hat zum einen mit der permanenten Verbesserung der chirurgischen Techniken zu tun und des weiteren mit der verbesserten Kenntnis des Blutkreislaufs und der Sauerstoffphysiologie.
- Autologe Transfusion. Patienten mit großen planbaren Eingriffen
wird Wochen vor der Operation Eigenblutentnommen und aufbewahrt, sodaß es am OP-Tag zur Verfügung steht. Dieses Blut ist in jedem Fall das sicherste für Sie. Eine weitere Möglichkeit (siehe Bild) ist, Blut, das während eines Eingriffs verloren wird, steril aufzufangen und mit speziellen Maschinen zur Rücktransfusion aufzubereiten. Mit dieser Methode können manchmal selbst größte Blutverluste vollständig kompensiert werden.
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II Spezielle Fragen zur Regionalanästhesie
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1. Reicht die Betäubung für die Zeit der Operation aus? Und: Falls die Operation unerwartet länger dauert und die Betäubung nicht ausreicht, habe ich dann Schmerzen?
Es wird immer ein Verfahren gewählt, das diesem Anspruch genügt. Ist die Dauer des Eingriffsunklar so kann ein Verweilkatheter plaziert werden, über den die Narkose bei Bedarf verlängert werden kann. Sie werden in keinem Fall operiert wenn die Narkose nachläßt. In einem solchen Fall wird entweder nachgespritzt (wenn möglich) oder es wird in Ausnahmefällen auf eine Vollnarkose ‚ungestiegen’.
2. Bin ich während der Operation wach?
Ja, Sie sind während es Eingriffs wach. Wenn Sie es wünschen, können Sie die Operation wach und natürlich vollkommen schmerzfrei erleben. Viele Patienten möchten jedoch lieber etwas schlafen; wir können Ihnen dann ein Schlafmittel in die Infusion geben. Allerdings ist dies kein tiefer Schlaf, der mit der Möglichkeit unzureichender Atmung verbunden wäre.
Eine Regionalanästhesie ist keine Vollnarkose.
Zur Entspannung und Ablenkung können Sie Musik über Kopfhörer genießen.
3. Kann ich bei der Operation zuschauen?
Bei jeder Operation muss das Eindringen von Bakterien und anderen schädlichen Mikroorganismen in die Wunde mit allen Mitteln verhindert werden. Die Haut wird daher vorher sorgfältig desinfiziert, das Operationsfeld nach allen Seiten mit keimfreien Tüchern abgedeckt. In der Regel können Sie daher nicht bei der Operation zuschauen. Ausnahmen bilden u. U. Gelenkspiegelungen (Arthroskopie), bei denen Sie die Operation seitlich auf einem Bildschirm verfolgen können.
4. Wie schnell wirkt die Regionalanästhesie?
Die Wirkung der Lokalanästhetika setzt je nach Verfahren sofort oder innerhalb weniger Minuten ein. Gelegentlich dauert es etwas länger (Periduralanästhesie), bis die Anästhesie ihre volle Ausprägung erreicht hat. Sie müssen jedoch keine Angst haben, es würde mit der Operation bereits begonnen, obwohl Sie noch etwas spüren.
5. Kann ein bleibender Schaden durch die Regionalanästhesie entstehen?
Alle für die Regionalanästhesie verwendeten Materialien und Medikamente wurden speziell im Hinblick darauf entwickelt, das Risiko einer Nervenschädigung möglichst auszuschließen. Bleibende Schäden sind daher heute extrem selten.
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